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 Die Kaujohle

Die Sage

Vor rund zweihundert Jahren herrschte in Markdorf Hunger und Armut. Im anliegenden Wald war ein Förster von der Stadt und dem herrschenden Adelsgeschlecht beauftragt Wilderei zu verhindern. Der Förster aber verhinderte nicht nur das Wildern, sondern vertrieb alle Markdorfer, die frierend und hungernd im Wald nach Holz, Beeren und Pilzen suchten.

 

Der Förster ging mit seinem Hund dabei derart hart vor, dass viele verletzt wurden und einige sogar starben. Als Strafe für sein böses Wesen mußte er jämmerlich sterben und ist verdammt auf alle Zeiten als johlender Geist im Kau - hochdeutsch heißt der Wald "Gehau" und das bedeutet "schlagbarer Wald" - sein Unwesen zu treiben.

 

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Die Historie

Immer schon wurden in der schwäbisch-alemannischen Fasnacht örtliche Sagengestalten dargestellt und so lieh sich Eugen Brutsch 1934 einen Hund, zog einen groben Umhang und einen großen Hut an, hängte sich Blashorn und Säbel um und nahm einen Sauspieß in die Hand. Fertig war der johlende Försters-Geist aus dem Kau, der Urtyp des heutigen Kaujohle.

 

1938 tauchte der Kaujohle erstmals als Einzelfigur in der Markdorfer Fasnacht auf. Anfang der 50er Jahre wollten auch die Markdorferinnen an der bis dahin reinen Männer-Fasnacht mitwirken. Zunftmeister Hans Ströhle hatte Verständnis für die Närrinnen und so wurde aus der Einzelfigur Kaujohle eine Maskengruppe, ein Häs für Frauen und Männer. Am Freundschaftstreffen 1954 nahmen die Kaujohle erstmals offiziell als Gruppe der Zunft am Umzug in Markdorf teil.

 

1987 textete Wilfried Welte für die Gruppe das Kaujohlelied zur Melodie des Egerländer Liedermarschs. Und 1988 rief Herta Köhler den Kaujohletanz ins Leben, der seit dem einmal jährlich an Dreikönig am Zunfthaus zum Narrenweckruf vorgeführt wird.


Das Häs

Seit 1954 hat sich das Aussehen des Kaujohle immer wieder verändert. War es zuerst ein Rupfenhäs mit aufgemalten Blättern, so wurde später ein Leinenstoff verwendet, der mit rötlichen Eichen- und grünen Buchenblättern bedruckt wurde. Seit 2001 werden Blattapplikationen auf einen dichteren Leinenstoff aufgenäht.

Das Geschell des Kaujohle ist einmalig in der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte. Kein anderer Narr in der VSAN trägt Holzglocken, die mit Steinen gefüllt sind und daher nur gehört werden, wenn der Hästräger auch kräfig juckt. Die Glockengürtel wurden früher in der Sattlerei Guldin und seit 1980 von Hans Brutsch gefertigt.

 

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Der Vorstand der Kaujohle


Die Gruppe

Die Kaujohle sind die einzige Maskengruppe der Markdorfer Narrenzunft die für Männer und Frauen offen steht.

 

Von den 240 aktiven Mitgliedern sind etwa 40 männlich, cirka 45 jugendlich und ungefähr 40 Kinder. Der geringe Männeranteil erklärt sich damit, dass viele Männer als Hänseler aktiv sind und deren Frauen und Kinder als Kaujohle mit auf die Fasnacht gehen. Viele bezeichnen die Kaujohle deshalb auch als "Familiengruppe".

 

Der größte Teil der Mitglieder ist im Alter zwischen 30 bis 45 Jahren. Dieser Teil der Gruppe ist sehr aktiv und nimmt gemeinsam auch an vielen Aktionen außerhalb der Fasnacht teil.

Um ein Kaujohle zu werden, gibt es, wie auch bei den Hänseler, keine Wartezeit. Jeder kann sich bei der Gruppe ein Häs kaufen oder ausleihen, falls ein passendes verfügbar ist. Da es aber auch für einen Narr Regeln gibt, wie er sich in der Öffentlichkeit verhalten sollte, hat jedes neues Mitglied zunächst eine Probezeit zu absolvieren, bevor er uneingeschränkt zur Gruppe gehört.

 

Falls man sich kein neues Häs anfertigen lassen möchte, kann man auf dem im November stattfindenden Häsbasar ein gebrauchtes erwerben oder eines ausleihen. Maske und Glockengürtel werden nicht ausgeliehen, diese müssen immer gekauft werden.

 

Alle Verkäufe, Käufe und Neuanschaffungen werden über die Vorstandschaft geplant und vom Häswart umgesetzt. Fragen zum Anschaffungspreis eines Kaujohlehäs beantwortet die Vorstandschaft auf Anfrage gerne.
Text: Hardy Frick

  • Die Kaujohle
  • Im Wald
  • beim Fasnetsumzug
  • mit Fackeln
 
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